Blog

Democracy Now! wird 30: Angela Davis, Springsteen & Stipe vereint

man in black jacket and man in black jacket holding man wearing hat

Democracy Now! wird 30: Warum unabhängige Medien heute wichtiger sind denn je

Wenn eine tägliche Nachrichtensendung ihr 30-jähriges Bestehen feiert, ist das schon für sich genommen eine Nachricht. Aber wenn diese Sendung Democracy Now! ist – ein Grundpfeiler unabhängiger, bewegungsorientierter Berichterstattung – und die Feier Angela Davis, Bruce Springsteen, Patti Smith, Michael Stipe, Mosab Abu Toha, Hurray for the Riff Raff und viele andere in New Yorks historischer Riverside Church zusammenbringt, dann ist das mehr als nur ein Jubiläum: Es ist ein Schnappschuss der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der progressiven Bewegung.

In einer Zeit des erstarkenden Autoritarismus, der Klimakatastrophe, permanenter Kriege und wachsender Ungleichheit ist die Tatsache, dass es Democracy Now! immer noch gibt – immer noch täglich, immer noch unabhängig, immer noch kompromisslos in sozialen Bewegungen verankert – eine Geschichte von Überleben, Widerstand und Möglichkeiten. Die 30-Jahres-Sendung ist nicht einfach eine Ehrenrunde; sie erinnert daran, dass der Kampf für eine gerechtere Welt Medien braucht, die sich weder von Konzernen noch von Parteien vereinnahmen lassen.

1. Warum diese Feier gerade jetzt wichtig ist

Die Jubiläumssendung von Democracy Now!, aufgezeichnet in der Riverside Church, ist aus mindestens drei Gründen bedeutsam:

1. Sie markiert drei Jahrzehnte unabhängigen, werbefreien Journalismus, der konsequent die Stimmen derjenigen in den Mittelpunkt stellt, die am stärksten von Krieg, Rassismus, wirtschaftlicher Ausbeutung und Umweltzerstörung betroffen sind.

2. Sie bringt Künstler*innen, Aktivist*innen und Journalist*innen an einem Ort zusammen und macht deutlich, dass Kultur und Politik in progressiven Bewegungen untrennbar miteinander verbunden sind. Wenn Bruce Springsteen oder Patti Smith gemeinsam mit Angela Davis und Mosab Abu Toha auf der Bühne stehen, treten sie nicht nur auf – sie stellen ihr kulturelles Kapital in den Dienst von Gerechtigkeitskämpfen.

3. Sie findet in einem historischen Moment statt, in dem die etablierten Medien immer stärker konzentriert sind, algorithmusgetriebene Desinformation die Realität verzerrt und das Vertrauen in Institutionen zerbricht. In einem solchen Umfeld werden Räume wie Democracy Now! zu Lebensadern.

Es geht hier nicht um Nostalgie. Es geht darum, ob wir in den kommenden Jahren Medien haben werden, die fähig – und bereit – sind, die Wahrheit über Macht zu erzählen.

2. Hintergrund: 30 Jahre eine andere Art von Nachrichten

Democracy Now! startete 1996 als tägliche Wahlsendung auf Pacifica Radio. Mitbegründet und moderiert von Amy Goodman, entwickelte sich die Sendung schnell zu einer einzigartigen Mischung: teils Graswurzel-Redaktion, teils Bewegungsarchiv, teils weltweiter Bericht von den Frontlinien des Widerstands.

Einige zentrale Merkmale des Democracy-Now!-Modells:

Unabhängige Finanzierung: Keine Konzernsponsoren, keine Werbung, kein Sponsoring durch fossile Energiekonzerne oder Waffenhersteller. Die Sendung wird von Zuschauer*innen, Hörer*innen und unabhängigen Stiftungen getragen.
Bewegungsorientierte Berichterstattung: Statt Lobbyist*innen der Konzerne und Klimaleugner*innen gleich viel Raum zu geben, präsentiert Democracy Now! Basisorganisator*innen, Whistleblower, Wissenschaftler*innen und Menschen, die sich gegen extreme Ungerechtigkeit wehren.
Globaler Blick: Von Irak bis Standing Rock, von Gaza bis Ferguson behandelt die Sendung Kämpfe im Ausland und im eigenen Land als miteinander verflochten.
Langformat-Interviews: In einer Medienlandschaft voller Soundbites bietet Democracy Now! ausführliche Gespräche – Zeit, um Geschichte, Kontext und Bedeutung zu erklären.

Die 30-Jahres-Veranstaltung in der Riverside Church ist symbolisch äußerst kraftvoll. In derselben Kirche hielt Dr. Martin Luther King Jr. 1967 seine historische Rede „Beyond Vietnam“, in der er den US-Militarismus und den Kapitalismus anprangerte – zu einem hohen persönlichen und politischen Preis. Mit der Wahl dieses Ortes stellt sich Democracy Now! bewusst in diese Tradition prophetischer Dissidenz.

Das Programm unterstreicht diese Linie:

Angela Davis, langjährige Abolitionistin und Wissenschaftlerin, deren Leben die Bewegungen für Schwarze Befreiung, Feminismus, Queer- und Gefängnisabschaffung verbindet.
Patti Smith, Punk-Poetin und Aktivistin, deren Arbeit seit Langem Kunst und Widerstand verschränkt.
Mosab Abu Toha, palästinensischer Dichter und Pädagoge, der vom Leben unter Belagerung Zeugnis ablegt.
Michael Stipe, ehemaliger Frontmann von R.E.M., seit Jahrzehnten politisch engagiert.
Hurray for the Riff Raff (Alynda Segarra), deren Musik queere, latinx und working-class Lebensrealitäten ins Zentrum stellt.
Bruce Springsteen, dessen überraschender Auftritt mehr ist als bloßer Starfaktor: Seine Songs über Deindustrialisierung, Krieg und Klassenkampf haben Generationen von Protesten begleitet.
– Und natürlich die Democracy-Now!-Co-Hosts Amy Goodman, Juan González und Nermeen Shaikh, die die Stimme und die politische Ausrichtung der Sendung geprägt haben.

Das ist keine zufällige Ansammlung von Prominenten. Es ist ein Querschnitt kultureller und politischer Akteur*innen, die verstehen, dass Geschichten – ob in Liedern, Gedichten, Interviews oder investigativen Recherchen – ein zentrales Feld des Kampfes sind.

3. Eine progressive Analyse: Medien als Ort der Macht

Aus progressiver Sicht ist das 30-jährige Bestehen von Democracy Now! nicht nur ein Anlass zum Wohlfühlen; es ist ein Fallbeispiel dafür, wie Macht funktioniert – und wie sie herausgefordert werden kann.

Konzernmedien und die Grenzen der „Objektivität“

Im Mainstream bedeutet „objektiver“ Journalismus oft:

– Die Klimakatastrophe als Streit zwischen Wissenschaftler*innen und Lobbyist*innen der fossilen Industrie darzustellen.
– Kriege vor allem aus der Perspektive von Pentagon-Briefings und offiziellen Verlautbarungen zu berichten.
– Rechte Talking Points im Namen der „Ausgewogenheit“ aufzuwerten, während Basisbewegungen als „Aktivist*innen“ oder „Sonderinteressen“ abgetan werden.

Democracy Now! hat dieses Rahmenkonzept immer abgelehnt. Die Sendung tut nicht so, als wären alle Perspektiven gleichermaßen gültig. Ihre Haltung ist klar: Sie stellt sich auf die Seite derjenigen, die am stärksten unter Unterdrückungssystemen leiden. Das ist kein „Bias“ im herkömmlichen Sinn, sondern eine moralische und politische Position, die in Menschenrechten und sozialer Gerechtigkeit verankert ist.

Die Rolle der Kultur in Bewegungen

Die Präsenz von Künstler*innen wie Springsteen, Smith, Stipe und Segarra macht etwas deutlich, das in progressiven Kreisen manchmal unterschätzt wird: Kultur prägt, was Menschen für möglich halten. Ein Lied, ein Gedicht oder eine Performance kann:

– ferne Kämpfe menschlich erfahrbar machen,
– Menschen emotional tragen, wenn die politische Lage aussichtslos wirkt,
– beim Aufbau gemeinsamer Identitäten und Erzählungen helfen.

Indem Democracy Now! Musik und Poesie in eine Nachrichtensendung integriert, insistiert die Sendung darauf, dass Fakten allein nicht ausreichen. Wir brauchen Geschichten, Symbole und Gefühle, die Menschen helfen, sich als Teil eines größeren Kampfes zu begreifen.

Intersektionalität in der Praxis

Die Vielfalt der Stimmen in der Riverside Church spiegelt ein intersektionales Verständnis von Macht wider:

– Angela Davis verknüpft Gefängnisse, Polizei, Rassismus, Kapitalismus und Patriarchat.
– Mosab Abu Toha bringt die Realität palästinensischen Lebens in einen US-Kontext, der von Islamfeindlichkeit und Militarismus geprägt ist.
– Hurray for the Riff Raff und Michael Stipe verbinden queere und working-class Erfahrungen mit größeren Auseinandersetzungen um Land, Arbeit und Identität.
– Juan González dokumentiert seit Langem, wie US-Imperialismus und Konzernmacht Lateinamerika und die Karibik prägen – und wie das wiederum Migration beeinflusst.

Das ist Intersektionalität nicht als Schlagwort, sondern als Praxis des Geschichtenerzählens, die sichtbar macht, wie Herrschaftssysteme sich überlagern – und wie Befreiungskämpfe miteinander verbunden sind.

4. Warum das für soziale Gerechtigkeit und progressive Werte wichtig ist

Progressive Bewegungen stehen und fallen damit, ob Menschen die Wahrheit über ihre Welt erkennen und sich etwas anderes vorstellen können. Democracy Now! trägt zu beidem bei.

Herausforderung der „hergestellten Zustimmung“

In einer Ära „hergestellter Zustimmung“, in der Konzernmedien Krieg, Austerität und Überwachung oft normalisieren, sind unabhängige Medien unverzichtbar, um:

– die menschlichen Kosten politischer Entscheidungen sichtbar zu machen,
– Widerstand hervorzuheben, der sonst unsichtbar bliebe,
– die vermeintliche Unvermeidlichkeit des Status quo infrage zu stellen.

Wenn Democracy Now! über einen Streik, ein Camp zur Verteidigung von Land, ein solidarisches Versorgungsnetz oder eine Klage vor Gericht berichtet, sendet die Sendung ein Signal: Das ist nicht nur eine lokale Geschichte; es ist Teil eines größeren Kampfes um Gerechtigkeit.

Aufbau eines historischen Gedächtnisses

Soziale Bewegungen werden häufig fragmentiert und vergessen. Das Archiv von Democracy Now! – tausende Stunden Interviews, Berichte vor Ort und kulturelle Beiträge – fungiert als lebendiges Gedächtnis des Widerstands.

Das ist wichtig für:

– neue Organisator*innen, die wissen müssen, dass sie nicht bei Null anfangen,
– Gemeinschaften, deren Erfahrungen von Mainstream-Narrativen ausgelöscht oder verzerrt werden,
– zukünftige Historiker*innen, die verstehen wollen, wie gewöhnliche Menschen auf außergewöhnliche Krisen reagiert haben.

Demokratie verteidigen – mehr als nur dem Namen nach

Demokratie bedeutet nicht nur Wahlen; es geht darum, ob Menschen die Informationen und Werkzeuge haben, um Macht zur Rechenschaft zu ziehen. Eine unabhängige Presse ist eine zentrale demokratische Institution. In den USA ist „Pressefreiheit“ jedoch hohl, wenn der Großteil der Medienlandschaft von wenigen Konzernen kontrolliert wird.

Indem Democracy Now! außerhalb dieses Systems überlebt – und gedeiht –, liefert die Sendung ein konkretes Beispiel dafür, wie demokratische Medien aussehen können: rechenschaftspflichtig gegenüber ihrem Publikum, transparent in der Finanzierung und dem Gemeinwohl verpflichtet statt den Interessen von Aktionär*innen.

5. Was du tun kannst und wie du informiert bleibst

Wenn dir soziale Gerechtigkeit, Klimagerechtigkeit, Rassengerechtigkeit, Geschlechtergerechtigkeit, Arbeiter*innenrechte oder Frieden wichtig sind, sind unabhängige Medien kein Luxus – sie sind Infrastruktur. Hier einige Möglichkeiten, dich einzubringen:

1. Schauen, hören, lesen

– Besuche die Website oder den YouTube-Kanal von Democracy Now!.
– Abonniere den Podcast, damit du auf dem Weg zur Arbeit oder bei anderen Tätigkeiten zuhören kannst.
– Teile Beiträge, die dich bewegen, mit Freund*innen, Familie oder Kolleg*innen – besonders mit Menschen, die ihre Nachrichten bisher nur aus Konzernmedien beziehen.

2. Unabhängige Medien finanziell unterstützen

– Wenn du kannst, werde regelmäßige*r Unterstützer*in von Democracy Now! – auch kleine Beträge zählen.
– Unterstütze andere unabhängige Medien – insbesondere lokale oder community-basierte Projekte und Medien, die von Schwarzen, Indigenen, migrantischen, queeren und behinderten Communities getragen werden.

3. Medien kritisch nutzen

– Frage: Wem gehört dieses Medium? Wer finanziert es? Wessen Stimmen fehlen?
– Vergleiche Berichte zwischen Mainstream- und unabhängigen Quellen.
– Vermittle Medienkompetenz in deiner Community – in Schulen, Workshops oder informellen Gesprächen.

4. Medien mit Organizing verbinden

– Nutze Beiträge von Democracy Now! in Organizing-Treffen, Lesegruppen oder politischer Bildungsarbeit.
– Lade lokale unabhängige Journalist*innen zu Veranstaltungen in deiner Community ein.
– Wenn deine Community kämpft (ein Streik, eine Protestbewegung, eine Kampagne), wende dich an unabhängige Medien, damit sie eure Geschichte erzählen.

5. Die Verbindung von Kultur und Politik stärken

– Unterstütze Künstler*innen, die ihre Arbeit mit Bewegungen für Gerechtigkeit verbinden.
– Besuche Veranstaltungen – wie diese 30-Jahres-Feier –, bei denen Kunst und Politik zusammenkommen.
– Schaffe eigene kulturelle Beiträge: Zines, Podcasts, Songs, visuelle Kunst. Storytelling ist nicht nur etwas für Profis.

Das 30-jährige Jubiläum von Democracy Now! erinnert daran, dass eine andere Art von Medien – und eine andere Art von Politik – nicht nur möglich ist, sondern bereits existiert. Die Frage ist, ob genug von uns sie rechtzeitig tragen und ausbauen, um den Krisen zu begegnen, vor denen wir stehen.

Den Originalartikel von Democracy Now! und die vollständige Jubiläumssendung findest du hier:
http://www.democracynow.org/2026/9/7/democracy_now_marks_30_years_with

Foto von Koshu Kunii auf Unsplash


Entdecke mehr von Fyra - Dating App for Progressives

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

Entdecke mehr von Fyra - Dating App for Progressives

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen